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Chihiro landet im Zauberland. Sie lernt es schnell sich den Kamis anzupassen und ihr Herz wird groß. So tiefgründig ihre Liebe in ihrem Verhalten zusehen ist, so tiefgründig ist die Thematik des Films, sodass man es mit der Tiefe eines Ozeans nicht mehr vergleichen kann.

Der Film Chihiros Reise ins Zauberland kritisiert nicht nur die Gier und die geläufige Kindererziehung, sondern auch Japan zu der Welt. Bei der Übersetzung geht Vieles davon verloren. Dieser Artikel will diese verlorene Kritikkraft an Tageslicht bringen. Der Artikel wird so von dem über Shintouismus im Chihirofilm abgegrenzt. Den ersten Hinweis zum Thema findet man in der Szene, wo Chihiro auf der Brücke steht.

Badehäuser in JapanBearbeiten

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Chihiro steht vor dem Badehaus und der Wind streift ihren Nacken. Die Sicht zum Hausinneren ist durch ein blaues Tuch am Eingang versperrt. Auf dem Tuch steht Yuu (ゆ), was "Heißes Wasser" bedeutet und eine Heiße Quelle bezeichnet. In der Edo-Zeit steht dieses Wort am Eingang der Badehäuser[1]. Im Haus arbeiten vorwiegend Yunas.

Das Badehaus steht auf der Insel Yuuya. In der Edo-Zeit bezeichnet dieser Begriff ein Vergnügungsviertel mit Straßenrestaurants, Badehäusern und Bordellen. Der Begriff wird auch speziell nur für Badehäuser verwendet, die einen bestimmten Service anbieten. Mehr dazu folgt in diesem Artikel. Die Kunden, die hauptsächlich Männer waren und die nachts Badehäuser aufsuchten, nannte man Otokokami (男神).

Im heutigen Japan werden zwei Begrife für öffentliche Bäder verwendet: Sentou (銭湯) und Onsen (温泉). Oft werden diese beide Begriffe als Synonyme verwendet. Sie sind Teil der japanischen Badekultur, unterscheiden sich aber in ihrer Breite des Dienstangebots und der Herkunft des Wassers.

Sentō ist kein Schwimmbad, sondern ein Raum mit vielen seperaten Becken. Onsen sind zusätzlich mit Schlafmöglichkeiten bestückt und das Bad wird von heißen natürlichen Quellen gespeist. Onsen wird oft nur mit 湯 oder ゆ abgekürzt. Ausgesprochen lauten dies "yuu". Auch markiert das Symbol ♨, dass hier ein Onsen steht. Yubabas Badehaus ist ein Onsen. Von der römischen Stadt Pompeji ist bekannt, dass Badehäuser nicht nur zum Baden und Entspannung dienten. Badehelferinnen haben viele verschiedene Aufgaben.

YunasBearbeiten

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Yuna (湯女) bedeutet "Frauen der heißen Quellen". Damit bezeichnet man nicht nur einfache Badehelferinnen. Wie in Pompeji arbeiten sie auch als Prostituierte. Somit dienen Badehäuser in der Edo-Zeit nicht nur als Schwimmbäder und Saunas, sondern auch als Bordelle. Heute wird in Japan das Wort allerdings als Mädchenname Yuuna (ユウナ) verwendet und bedeutet Mond und Nacht.

Der Name Yubaba (湯婆婆), die Besitzerin des Hauses, bedeutet "Alte Frau der heißen Quellen". Es ist klar welchen Beruf solche Menschen ausüben. Nachdem Chihiro den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, nimmt Yubaba alle Silben bis auf die dritte aus ihrem Namen weg. Dies tun noch heute Prostituierte und Pornostars, um ihre Identität zu schützen.

Was will Ohngesicht von Chihiro?Bearbeiten

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Ohngesicht bietet Chihiro Gold und Plaketten an. Es beschenkt sie aus Höflichkeit, weil sie ihm half in das Badehaus zu gelangen. Im Kontext dieses Artikels kann Ohngesicht die Chihiro als Prostituierte betrachtet haben. Daher beschenkt er sie, um ihren Körper zu kaufen oder sogar ihre Jungfräulichkeit.

Jedoch sind nicht alle Szenen mit diesem Thema in Verbindung zu bringen. Denn wie passt der Flussgott in diese Thematik? Man sieht hier, dass der Shintouismus ein wichtiges Element des Filmes ist. Will Hayao wirklich die Sexindustrie in einem kinderfreundlichen Film kritisieren?

Auf die Szene mit Ohngesicht und Chihiro wird später noch Bezug genommen.

Hayaos StatementBearbeiten

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In einem Interview sagt Hayao: "Meiner Meinung nach die moderne Gesellschaft zu beschreiben ist die Sexfabrik. Ist Japan nicht etwa eine Sexfabrik geworden?"[2]. Dieses Zitat wird auf vielen Webseiten verwendet, ABER nie wurde die Quelle des Interviews angegeben. Weder auf Englisch noch auf Japanisch. Daher gibt es keine Beweise, dass Hayao wirklich die Sexindustrie kritiseren will[3]. Diese Interpretaionsweise ist nicht falsch, sondern möglich.

Hier ein treffendes Zitat, worum im Film eigentlich geht:

Weil wir, nicht nur Japan, in einer Welt leben, die sich wie eine Prostituierte für alles kaufen lässt.

Alex-San Uchiha, ein aktiver Autor dieses Wikis

Kritik an die Sexfabrik steht im Film keineswegs im Mittelpunkt, sondern die Konsumgeilheit - der Kapitalismus. Dies kann man besonders an Ohngesicht sehen. Chihiro lebt in der "korrupten" materialistischen Insel.

Neuer WohlstandBearbeiten

In der Edo-Zeit waren Ein- und Ausreise für Japaner und Ausländer untersagt, mit ein paar Ausnahmen. 1854 segelte Matthew Calbraith Perry mit seiner Flotte nach Tokio. So offenbart er die Schwäche der japanischen Regierung und fordert sie heraus. Die Japaner sind gezwungen ihre Grenzen zu öffnen. Der westliche Einfluss nimmt im Laufe der Jahre zu.

In den 80er und 90er Jahren kamen der Ghetto Blaster, der Walkman und der Game Boy auf den westlichen Markt. Alle diese Erfindungen stammen aus Japan und tragen trotzdem englische Namen. Hier zeigt sich, dass Japan sich der westlichen Welt anpasste und viele ihre Werte übernahm[4], so auch die (parlamentarische) Demokratie und das exzessive Konsumieren.

Doch durch diese westlichen Importe gehen viele alte bewährte Gewohnheiten verloren[5]. Eine davon ist die Verantwortung der Eltern gegenüber ihren Kinder.

Im VergnügungsparkBearbeiten

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Für das Wohl des Kindes sind die Eltern verantwortlich. Jedoch konnten Chihiros Eltern dieser Verantwortung nicht nachgehen. Denn sie stürtzten sich auf das Essen des Straßenrestaurants, ohne vorher zu fragen. Wenn man in Deutschland ein Restaurant betritt, eilt man auch nicht gleich an den Kellnern vorbei und stürzt sich mit Gabel und Messer auf das Buffet und lässt sich dann an einem reservierten Tisch[6].

Man sieht hier, dass die Eltern auch für deutsche Verhältnisse kein Benehmen haben. Als Strafe wurden sie von Yubaba in Schweine verwandelt. Haku sagte später zu Chihiro, dass sie vergessen haben, dass sie mal Menschen waren.

Hier werden die fatalen Folgen der Konsumgeilheit verdeutlicht. Die Menschen versinken im Rausch des Konsums, wodurch sie sich selbst verlieren - sich selbst nicht mehr wahrnehmen. Hierzu ein passendes Zitat:

Unser Feind "die Armut" verschwand bereits und wir können keinen Feind finden, dagegen zu kämpfen.

— Hayao Miyazaki, 1988[7]

Der Verlust der Selbstwahrnehmung schadet nicht nur einem selbst, sondern auch nahestehenden Menschen. In diesem Beispiel muss Chihro die Last ihrer Eltern tragen, indem sie zur Arbeit in einem Sklavenverhältnis gezwungen wird. Hier wird Chihiro in die materialistischen Yuuya geworfen.

Im ZauberlandBearbeiten

Auch Bewohner Yuuyas sind sich ihrer Verantwortungen gegenüber ihren Mitmenschen nicht bewusst.

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So erkennt Yubaba ihren Sohn Bou nicht wieder, als er von Zeniba in ein Nagetier verwandelt wird. Sie sieht in ihm ein Ungeziefer, aber nicht mehr den Menschen. Als gegen Filmende Bou seine Mutter auffordert Chihiro und ihre Eltern gehen zu lassen, schaut sie ihn nur verwundert an.


Yubabas Familie entfernte sich von ihr, wegen ihres Ehrgeizes. Als Haku ihr sagt, dass ihr etwas Wichtiges fehlt, schaut sie zuerst zweimal auf den Goldhaufen vor ihr. Hier zeigt Yubaba, dass das Gold bei ihr oberste Priorität hat. Erst als die verzauberten Kashiras unüberhörbar mampfen, realisiert sie, dass ihr Sohn verschwunden ist.

Yubabas Badehaus profitiert von Yubabas Ehrgeiz und von der Wegwerfmentalität der Menschen. Denn der Müll und Schlamm verunreinigte beispielsweise den Faulgott. Hier schließt sich der ökonomische Kreislauf:

  1. Müll entsteht durch Konsum.
  2. Für den Konsum muss man arbeiten.
  3. Arbeit hat man, indem man z.B. den Müll wegräumt.

An Ohngesicht werden weitere Dinge deutlich, sodass der Konsumrausch sich nicht nur physisch zeigt.

Ohngesichts SucheBearbeiten

Die Konsummentalität schadet der geistigen Gesundheit der Badehaus-Arbeiter und Ohngesicht. Wir kennen es allzu gut, dass man für die wahre Liebe, eine langanhaltende Ehe, Freundschafts-Pflegung und Kindererziehung viel Zeit investieren muss, was man materiellen nicht kaufen kann. Geht man diesen Bedingungen nicht nach, werden uns Freunde und Familie immer fremder.

Schlechte Gesellschaft verdirbt gute Gewohnheiten. In der Nähe von Chihiro und Zeniba ist Ohngesicht hilfsbereit. In der Nähe anderer ist er jedoch gierig. Es vesucht Chihiros Herz zu erkaufen, um seine innere Leere zu füllen[8].

Lin und Haku sind zu Chihiro während ihrer Arbeit harsch, aber unter sich sind sie freundlich und hilfsbereit. Auch zeigen sie keinerlei Freude bei ihrer Arbeit, sondern höchstens ein aufgesetztes Lächeln. Doch die Arbeit im Badehaus verlangt nicht nur eine aufgesetzte Maske, sondern auch einen selbst.

Verlust der EigenidentitätBearbeiten

Man sagt in Deutschland, dass jedes Individuum einzigartig sind. Doch der Film zeigt, dass wir Menschen doch im Grunde gleich sind und in einem "Rudel" leben[9]. Schließlich richtet sich unser Leben nach der Arbeits - und Konsumwelt.

Nachdem Chihiro den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, entfernt Yubaba die Silben von Chihiros Namen, bis auf die Dritte. Später erklärt Haku ihr, dass Yubaba auf diese Weise ihre Arbeitnehmer zu willenlosen Sklaven macht.

Der Name ist Teil einer Identität. Verliert man den Namen, verliert man die Selbstwahrnehmung, die eigene Persönlichkeit und die Erinnerungen. So vergisst Haku seinen wahren Namen und riskiert sogar sein Leben für Yubaba. Auch hier spiegelt sich die japanische Geschichte wider.

Haku ist der Drache Ryuu und symbolisiert so Japan. Vom Herzen her ist er ein liebenswürdiger Gott, aber Yubaba nutzt ihn aus. Haku ist Yubabas Lehrling geworden, um Zauberkünste zu erlernen, doch nun ist er ihr Sklave geworden.

Was sagt das nun über Japan aus? Welche Kultur stellt das Badehaus dar?

Hakus ReiseBearbeiten

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Oberhaupt des Hauses ist Yubaba. Ihre Zimmer und ihre Kleidung sind im westlichen Stil und heben sich vom Rest des Badehauses ab - Nun Yubaba personifiziert den Westen. Wie Yubaba sind die Badehaus-Arbeiter gierig. Japan nimmt den Westen als Vorbild und nahm zuvor an Weltkriegen teil. Hält Miyazaki es für falsch, dass man dem Westen nachfolgt?

Wer den Westen ebenfalls personifiziert ist Zeniba, was man an ihrem Haus, ihrer Kleidung und dem Essen erkennen kann. Zenibas behagliches Heim ist ein gutes Beispiel für Ausgeglichenheit. Ein weiteres Element, das diese Thematik zeigt, ist das Essen. Man kann sich ins Essens stürzen wie es Chihiros Eltern es taten und so in Schweine verwandelt wurden oder es wie den Kräuter-Kloß als Medizin nutzen. Nun aber zurück zu Zeniba:

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Zeniba zeigt wie man die Familie und die Freundschaft stärken kann: Mithilfe mit Ohngesicht, Bou und Yu spinnt sie die Haarbinde. Zeniba sagt dazu, dass man diese Arbeit nicht mit Magie verrichten kann. Denn für Familie und Freunde braucht man einen gemeinsamen Zeitvertreib.


Chihiro erwähnt Hakus wahren Namen, wodurch Haku sich wieder an alles erinnert und seine Identität zurückerlangt. An Haku erkennt man, dass Japan vom Herzen her gut ist, aber durch unnötige Dinge belastet und zu schädlichen Dingen verführt wird.

Auch wir können Zeit mit unserer Familie und Freunden verbringen[10] und uns gegenseitig unterstützen. Denn was ist das Leben noch wert, wenn man nur arbeitet und das Leben nur noch durch den Konsum genießt?!

Vielen Dank für das Lesen dieser Seiten. Habt ihr auch schöne Erinnerungen an Familie und Freunde? Schreibt es doch in die Kommentare ;)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Interesting facts about Spirited Away (eng.), abgerufen 04.04.2015
  2. Spirited Away (jp.), abgerufen 09.03.2009
  3. Spirited Away Analysis (eng.), Digibro, abgerufen 01.03.2015
  4. Toransu nashionaru Japan (jp.), K. Iwabuchi, 2001, Tokyo, Verlag: Iwanami shoten.
  5. The Japan fad in global youth culture and millennial capitalism, Autor: A. Allison, 2006, Verlag: In F. Lunning (Ed.), Mechademia 1: Emerging worlds of anime and manga (Seite 11 -22), Minneapolis, University of Minnesota Press
  6. Im Film gab's keine Schilde mit der Aufschrift "Reserviert". Aber das Essen stand auf dem Tisch und nicht etwa in der Küche.
  7. Course Japanese Movies 7 · The Current Situation of Japanese Movies (eng.), H. Miyazaki, 1988, Tokyo, Verlag: Iwanami Shoten, Übersetzung: R. Toyama
  8. Im Interview mit Toshio Suzuki auf japanische DVD: Ohngesicht versucht Chihiros Herz zu gewinnen, weil er sich einsam fühlt.
  9. The 18th Brumaire of Louise Bonaparte (eng.), Karl Marx, 1852, abgerufen 18.10.2007
  10. um beispielsweise den Film Chihiros Reise ins Zauberland anzuschauen

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